Serra de Tramuntana

Serra de Tramuntana

Mallorca besitzt nicht nur schöne Strände, an denen man außer Sonnenbaden und Schwimmen alle möglichen Arten von Wassersport treiben kann. Die Insel ist auch für Wanderer und Radfahrer das ideale Urlaubsziel.

Besonderer Anziehungspunkt ist hier die 2011 von der UNESCO zum Welt-Naturerbe erklärte Gebirgskette Serra de Tramuntana in der gleichnamigen Region im Nordwesten Mallorcas. Die gesamte Region hat ca. 110.000 Einwohner, von denen etwa ein Fünftel im Gebirge einschließlich der Hafenstadt Soller leben. Das Gebirge ist über 90 Kilometer lang. Der 1445 Meter hohe Puig Major, der sich oberhalb der Trinkwasser-Stauseen Embassament des Gorg und Embassament de Cuber erhebt, ist der höchste Punkt der Insel. Diese Seen liefern das Trinkwasser für die Hauptstadt Palma und speisen in regenreichen Zeiten auch den Torrent des Gorg Blau, einen Sturzbach, der durch den Canyon Torrent de Pareis ins Meer fließt.

Das Gebirge entstand in grauer Vorzeit, als vor über 300 Millionen Jahren die Urkontinente kollidierten. Die Kontinente, die heute Europa, Afrika und Nordamerika heißen, wurden zu einem einzigen Superkontinent. Durch den gewaltigen Zusammenstoß schob sich über dessen ganze Breite ein riesiger Gebirgszug nach oben. Aus dieser Zeit stammen die roten Sand- und Tonsteine, die in der Serra de Tramuntana zu finden sind. Der größte Teil der Berge und Hügel besteht jedoch aus etwa 180 Millionen Jahre altem Kalkgestein, dem Mallorca unter anderem seine zahlreichen sehenswerten Tropfsteinhöhlen verdankt. Auch die sogenannten „Karren“, mehrere Meter hohe Steinkegel, sind typische Erscheinungen des verkarsteten Kalkgesteins. Diese Formationen sind besonders schön nahe dem Santuario de Lluc (Kloster Lluc) sowie der Straße zwischen Sa Calobra und Inca zu sehen. In den folgenden Jahrmillionen zerbrach der Superkontinent wieder. Die Bruchstücke drifteten zunächst auseinander und später wieder näher zusammen. Durch die gewaltigen Verschiebungen und die Bewegungen des Meeres lagerten sich verschiedene Gesteinsarten ab. So ist Mallorca auch für Geologen und Hobby-Forscher sehr interessant.

Touristen finden in der Serra de Tramuntana ein gut ausgebautes, dichtes Wander- bzw. Radwegenetz. Am Fernwanderweg GR 221, in 540 Meter Höhe im Herzen des Gebirges gelegen, steht gegen eine kleine Gebühr eine Berghütte (Tossals Verds) zur Verfügung. Sie kann als Ausgangspunkt für die genaue Erkundung der Umgebung dienen. Ein besonderes Erlebnis ist eine Wanderung durch den kilometerlangen Canyon Torrent de Pareis, die allerdings nur unter fachkundiger Führung unternommen werden sollte. Schon öfter verwandelten plötzlich auftretende Gewitter das kleine Rinnsal in einen Sturzbach und kosteten Wanderer das Leben.

Die Pflanzen- und Tierwelt der Serra de Tramuntana ist noch ziemlich unberührt und bietet schöne Wandererlebnisse in ursprünglicher Natur. Da sich das Gebirge nicht gut für die Ansiedlung von Hotelburgen eignet, ist es auch nicht sehr von Urlaubern überlaufen. Auch seltene Tierarten wie zum Beispiel die Mallorca-Geburtshelferkröte sind hier zu Hause. Der Name dieser Kröte rührt daher, dass sie ihren Laich nicht irgendwo ablegt und sich selbst überlässt. Sie trägt ihre Eier mit sich, bis der Nachwuchs schlüpft. In verschiedenen Tälern der Serra de Tramuntana gedeihen auf speziell angelegten Terrassen Mandeln, Oliven und Zitrusfrüchte – ein besonders reizvoller Anblick, wenn die Mandelbäume ihre rosaroten Blüten öffnen oder die Orangen und Zitronen reifen. Bekannt ist das Tal von Soller für seine riesigen Plantagen mit Orangenbäumen, die vor allem den Winterurlauber erfreuen.